Wie gehen die Unis in China und Deutschland mit Corona um?

Wie gehen die Unis in China und Deutschland mit Corona um?

Deutschland

Sommersemester 2020: So schnell wie möglich Lehre und Forschung auf Digitale Formate umstellen

Mitte März, zu Beginn der ersten Welle, überrollten die Corona Pandemie und die dagegen beschlossenen Maßnahmen die Bundesrepublik. So nahmen die tiefgreifenden Veränderungen auch vor dem Betrieb an den deutschen Hochschulen keinen Halt. Zu dieser Zeit befand man sich in der vorlesungsfreien Zeit zwischen Winter- und Sommersemester, was für die meisten Studierenden und Beschäftigten die Zeit der Prüfungen bedeutete. Mit der Zuspitzung der Infektionslage wurden Prüfungen vollständig abgesagt beziehungsweise verschoben. Es galt nun sich auf das neue Sommersemester und die kommende Vorlesungszeit zu konzentrieren und Konzepte für die Lehre zu entwickeln.

Bei der Umstellung der Lehre auf Onlinebetrieb half es, dass die meisten Dozierenden bereits Onlineplattformen wie „Moodle“ zur Bereitstellung ihrer Inhalte nutzten. Beim Bereitstellen der eigentlichen Vorlesungen entstanden dabei allerdings Unterschiede beim Format. Es resultierte ein Mix aus Live-Vorlesungen über Videokonferenzsoftware wie „Zoom“ oder Vorabaufzeichnungen von Vorlesungen, teilweise mit kreativem Einsatz von weiterem Bild und Tonmaterial.

Im Laufe der Monate Mai, Juni und Juli ergaben sich in vielen Bereichen wieder Lockerungen der zuvor eingeführten Maßnahmen. Die Campi der Universitäten blieben von diesen Lockerungen vorerst allerdings unberührt. Nur sehr wenige Lehrveranstaltungen, die Präsenz unbedingt erforderten, wurden auch in Präsenz angeboten. Die Kapazitäten in den Bibliotheken blieben stark begrenzt, so dass nur mit Reservierung und insgesamt nur eine geringe Zahl an Studierenden die Bibliotheken als Lernräume nutzen konnten.

Zur Prüfungszeit im Sommer waren die Neuinfektionen in Deutschland auf einem Tiefstand. Viele Prüfungen konnten, teilweise zusätzlich zu einem Online Format, in Präsenz angeboten werden, wobei hierfür zusätzliche Räume wie temporäre „Prüfungszelte“ bereitgestellt wurden. Insgesamt ließ sich aus der digitalen Lehre ein positives Fazit ziehen. So konnten zum Beispiel durch neue Ideen und das Bemühen aller Beteiligten 90 Prozent der Veranstaltungen online abgehalten und somit das Studieren ermöglicht werden.

Wintersemester 2020: Erkenntnisse und Errungenschaften aus dem Sommersemester mitnehmen

Zu Beginn des Wintersemesters konnten die Hochschulen in Bayern mit 403.000 ein neues Rekordhoch an eingeschriebenen Studierenden vorweisen. Von Vorteil für die Studierenden war hierbei, dass, durch Anpassungen in den Studienordnungen, für eine Einschreibung notwendige Nachweise mit verlängerter Frist oder in vorläufiger Form auch online eingereicht werden konnten. Ähnliche Verbesserungen gab es für die Studierenden auch bei der Finanzierung. So konnte die BAföG Förderung kurzfristig, teilweise vor Erst- oder Weiterprüfung, bezogen werden oder rückzahlungslose Überbrückungshilfen, wie die des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in Anspruch genommen werden.

Für die Lehre im Wintersemester wurde als Grundlage das Konzept eines Hybridsemesters vorgelegt, welches vorsah eine Mischung an Präsenz- und Onlinelehre anbieten zu können. Dabei sollten vor allem digitale Veranstaltungen erweitert werden, welche eine praktische Komponente in Präsenz erfordern. Ebenso sollten Erstsemester durch Präsenzveranstaltungen die Möglichkeit bekommen als Neulinge an den Hochschulen sich mit den Kommilitonen besser vernetzen zu können. Dafür wurden die Corona-Maßnahmen so gestaltet, dass je nach Raumgröße bis zu 200 Teilnehmende einer Veranstaltung beiwohnen können.

Diese Regel gilt noch heute, allerdings ist sie seit dem Start der Vorlesungen an den Universitäten am 2. November und dem gleichzeitig verhängten neuen Lockdown nicht mehr ganz realitätsnah. Die meisten Veranstaltungen werden wie im Sommersemester wieder online angeboten. Einzelne Termine werden in Präsenz gehalten, diese aber meistens zusätzlich zum Onlineangebot und unter strengen Hygienevorschriften. So muss, wie in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, aktuell noch abgewartet werden, bis man auch an den Hochschulen wieder eine Normalität mit lebendigen Campusleben und vollen Vorlesungen vorfinden kann.

China

Januar bis Februar

Als das neue Coronavirus sich landesweit ausgebreitet hat, waren gut eine Milliarden Menschen auf dem Weg nach Hause für das Frühlingsfest (vergleichbar wichtig wie Weihachten in Deutschland). Aber einige Tage später wurden Mega-Städte, Ballungsräumen und Dörfer Stück für Stück abgeriegelt. Alle Geschäfte, Fabriken und Einrichtungen wurden über Nacht komplett heruntergefahren. Die Universitäten waren ebenfalls betroffen. Die Studierenden hatten geplant nur 4 Wochen (normale Länge der Winterferien) zuhause zu bleiben. Allerdings wurde daraus ein 7-monatiges Zugangsverbot an den Unis. Alle Austauschprogramme und Auslandssemester wurden storniert.

März bis September

Wie man weiß, ist zuhause bleiben der größte Beitrag, den man während der Corona-Pandemie leisten kann. So blieben auch die Studierenden zuhause. Vorlesungen, Übungen und sogar Prüfungen – alles wurde komplett auf eine online-Lösung umgestellt. Alle begannen die E-Learning Plattformen zu benutzen, die jede Uni schon vor der Pandemie eingerichtet, aber selten benutzt hat. Anfangs stürzten viele Plattformen wegen hoher Benutzungsraten und mangelnder Instandhaltung oft ab. Aber in kürzester Zeit wurden fast alle Probleme behoben. Jetzt kann man sogar, mit WeChat (ein chinesischer Messangerdienst) und einem PC, Prüfungen von zuhause und unter Beaufsichtigung einer automatisierten Software schreiben. Dazu stellen die Prüfungskandidaten ihr Handy in einem 45 Grad Winkel und 1 Meter hinter sich und ein in WeChat eingebettetes Programm beaufsichtigt sowohl die Prüflinge als auch die Prüfungswebsite. Außerdem wird die Prüfungsseite auf dem PC vor der Abgabe der Prüfung eingefroren. Das heißt es besteht nicht die Möglichkeit unerlaubterweise zur Hilfe noch eine weitere Website zu öffnen.

Oktober

Also, die Universitäten in China sehen anderes aus – nicht so wie wir sie in Deutschland normalerweise kennen. Die Unis in China sind oft mit Gitter gesichert und komplett mit Überwachungskameras und Sicherheitspersonal ausgestattet. Die Studierenden müssen am Campus wohnen. Jeder Student muss, wenn er das Gelände aus triftigen Gründen verlassen möchte, eine schriftliche Genehmigung vom jeweiligen Fakultätsleiter beantragen und schließlich die Genehmigung beim Ausgang der Uni vorlegen, um aus dem „Gefängnis auszubrechen“.

Seit November

An fast allen Universitäten wurden Massentestungen durchgeführt, womit die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben wurden. Jetzt dürfen Studierende endlich einmal ein „normales“ Leben wie vor der Pandemie weiterführen. Nun müssen sie nur beim Ausgehen und Eintritt des Campus ein QR-Code scannen. Dadurch werden sie automatisch im Überwachungssystem registriert, welches später zur Verfolgung einer möglichen Infektionskette verwendet werden kann.

Titelbild Quelle: https://www.uni-leipzig.de/universitaet/service/informationen-zum-coronavirus/

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