Bericht zu Mitgliederversammlung, Beiratssitzung und Doppelvortrag

Diesen Montag, am 12.10.2020, fand die Mitgliederversammlung unseres gemeinnützigen Vereins DCI e.V. statt. Wegen der Covid-19-Pandemie wurde diese Anfang des Jahres von Mai auf Oktober verschoben in der Hoffnung, dass dann ein Treffen vor Ort möglich wäre. Noch am Sonntag war die Planung, zumindest 25 Teilnehmer vor Ort zuzulassen, aber mit der Erklärung Münchens ab Montagmorgen als Risikogebiet musste die Teilnehmerzahl in letzter Minute auf nur noch 10 reduziert werden. Dafür waren zeitweise bis zu 30 weitere TeilnehmerInnen per Zoom zugeschaltet.

Wie im letzten Jahr fand anschließend an die einstündige Mitgliederversammlung unsere Beiratssitzung statt, und für danach konnten wir zwei spannende Redner gewinnen.

Mitgliederversammlung und Beiratssitzung

Moderiert wurden die Veranstaltungen durch Prof. Johannes Fottner, den Vorsitzenden des Vereinsvorstandes. Der erste Teil der MV war ein Tätigkeitsbericht. Vor Ausbruch der Coronapandemie organisierten wir fünf größere und kleinere Vorträge, manche verbunden mit einem Werksbesuch oder einer Laborführung. Circa alle drei Wochen trafen sich Mitglieder und Interessierte zu einem Stammtisch, zum Beispiel zum Grillen an der Isar, zum Schauen eines chinesischen Kinofilms (OmU), oder auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt.

Ab dem Frühjahr mussten dann leider alle Veranstaltungen coronabedingt ausfallen. Seit April haben wir aber den Stammtisch in ein wöchentliches Onlinetreffen gewandelt. Seit Juli gibt es auf diesen Veranstaltungen nicht nur freien Austausch, sondern einmal monatlich auch einen oder zwei Kurzvorträge mit anschließender Diskussion. Themen bisher waren unter anderem das Social Credit System in China, Dolmetschen in Zeiten künstlicher Intelligenz, sowie wie Deutsche und Chinesen die aktuellen Proteste in Hong Kong wahrnehmen. 

Finanzvorstand Dr. von Zumbusch stellte anschließend den Rechenschafts- und Finanzbericht des Vorstands vor. Die Korrektheit der Belege und die satzungsgemäße Verwendung der Mittel wurden anschließenden durch die beiden Rechnungsprüfer Häfner und Wolff bestätigt.

Turnusgemäß wurde auch der Vorstand (wieder)gewählt. Herr Kisters schied auf eigenen Wunsch aus, außerdem wurden aber zwei neue Mitglieder in den Vorstand gewählt. Einerseits Markus Gerhard, Professor für Mikrobiologie an der Technischen Universität München, sowie Julia Holl, Studentin der Physik, ebenfalls an der Technischen Universität München.

Die anschließende Beiratssitzung fand überwiegend über Zoom statt. Mit den verschiedenen Blickwinkeln aus Industrie, Universitäten, und Stiftungen konnten wir produktiv und positiv die Vereinsentwicklung und -gestaltung diskutieren. 

Vortrag: Bildung - Chinas Erfolgsgeheimnis der letzten 40 Jahre

In seinem Vortrag spannte Herr Dr. Manfred Osten, Generalsekretär a.D. der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, einen großen Bogen von den früheren Beamtenprüfungen zu den jetzigen Uni-Aufnahmeprüfungen (Gaokao, 高考) und dem immer offensichtlicheren Vorsprung der Chinesen in den MINT-Fächern. 60% der Studienabschlüsse weltweit in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, und Technik (Ingenieurtum) stammen inzwischen jedes Jahr aus China. Außerdem kommen ungefähr die Hälfte der Patentanmeldungen weltweit aus China.

Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung betreibt aktive Forschungsförderung, indem jährlich 700 Stipendien und Preise vergeben werden, sowie durch die Ermöglichung von Forschungsaufenthalten in Deutschland und andernorts. Insbesondere in China sind die Stipendiaten gut vernetzt, und alle Humboldtianer bleiben der Stiftung ein Leben lang verbunden. 

Für Unternehmen ergibt sich aus Obengenanntem, dass China immer wichtiger wird – nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Talentpool, um Arbeitskräfte zu gewinnen. Mit der Weiterentwicklung in China könnten außerdem deutsche Exzellenzgebiete wichtiger werden, so zum Beispiel Wissen in Medizintechnik, Abfallverwertung und Kreislaufwirtschaft.  

Vortrag: Vertrauen im interkulturellen Management

Der Vortrag des Professor Hans-Wolf Sievert, Vorstandsvorsitzender der Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur, erkundete die Bedeutung von „Vertrauen“ im internationalen Kontext. Ausgehend von einer ausführlichen Begriffsklärung und Kategorisierung verschiedener Arten von Vertrauen wurde auf die zahlreichen Vertrauensfallen, insbesondere im interkulturellen Kontext, hingewiesen. Diese entstehen, wenn zwei Menschen Annahmen über den anderen treffen, die sich dann als falsch herausstellen.

Insbesondere beim Vergleich von asiatischer und westlicher Vertrauenskultur wird deutlich, dass in China Affekt, Emotionen, und der Faktor Zeit deutlich wichtiger sind als in Deutschland. Wo bei Deutschen oft Logik und Kalkül bestimmen, ist für Chinesen Bauchgefühl und Langfristigkeit meist genauso wichtig. 

Als Beispiel hierfür brachte er das Sprichwort „Die Kraft eines Pferdes erkennt man erst auf einer langen Reise, und das Herz eines Menschen sieht man erst nach langer Zeit“ (路遥知马力,日久见人心). Herr Sievert rundete seinen Vortrag mit spannenden und lustigen Anekdoten ab, die er während seiner aktiven Zeit bei der Sievert AG (seit 2020: Sievert SE) zum Thema Vertrauen erlebt hat. 

Menü schließen