Bericht: Unternehmertreffen & Doppelvortrag 07.12.

Am 07.12.2020 fand der vierte Vortrag im Rahmen der DCI-Vortragsreihe zur Wissensvermittlung über die Zusammenarbeit mit China statt. Im Vorfeld dessen richtete der DCI ein Unternehmertreffen aus, um in kleinerem Rahmen unseren Verein mit interessierten Unternehmensvertretern zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Unternehmertreffen

Aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln war es leider nicht möglich, ein reines Vor-Ort-Treffen zu veranstalten. Stattdessen war die Teilnahme bei Wacker in München begrenzt auf Teile unseres Vereinsvorstandes und die restlichen ca. 15 Teilnehmer waren per Webex zugeschaltet.

Nach einer Einführung durch unseren Finanzvorstand, Dr. Peter v. Zumbusch, betonte Dr. Christian Hartl, Mitglied des Vorstands der Wacker AG die Wichtigkeit Chinas für sie als deutsches Unternehmen und wie selten insbesondere junge Talente mit China-Erfahrung oder auch nur -interesse sind.

Daraufhin legte Dr. v. Zumbusch dar, wie der DCI e.V. Unternehmen unterstützen möchte. Einerseits indem chinabezogene Ressourcen und Erfahrung durch den Verein über Unternehmensgrenzen hinweg nutzbar gemacht werden und ein Austausch angeregt wird. Andererseits im Kontakt mit und der Werbung von jungen Talenten, für die der Verein eine Plattform darstellt. Gerade für Mittelständler und kleinere Unternehmen, die intern nicht auf große Erfahrung mit China zurückgreifen können, ist es meist zugleich auch schwer, fähige junge Talente mit Chinabezug zu rekrutieren. Unser Verein kann Unternehmen mit dieser Kombination aus interner Befähigung zusammen mit einem externen Ressourcenpool dabei unterstützen, sich für den chinesischen Markt zu wappnen und gewisse Schwierigkeiten zu vermeiden. Denn gerade China ist ein Land, in dem kulturelle Gewandtheit essentiell für wirtschaftlichen Erfolg ist.

Anschließend wurde die Diskussion eröffnet, in der diejenigen Anwesenden, die das Wort ergriffen, Interesse bekundeten und die Absichten des Vereins unterstützten. Es herrschte Konsens darüber, dass hier Handlungsbedarf besteht und dass eine Plattform wie der DCI e.V. hier einen wichtigen Beitrag leisten kann.

„Chinese Consumer Value Index 2019 and 2020 Covid-19 Update – A Study by Avantgarde Shanghai“ – Christian Stipp, Managing Partner, Avantgarde Shanghai

Herr Stipp ist langjähriger China-Kenner und war der Veranstaltung aus Shanghai zugeschaltet. In seinem packenden Vortrag stellte er eine Studie zu Wertvorstellungen chinesischer Konsumenten vor und insbesondere, wie sich diese durch die Covid-19-Pandemie verändert haben. Insbesondere die Werte Sicherheit, Gesundheit, und Familie haben merklich an Bedeutung gewonnen, wohingegen der Wert Erfolg einige Plätze in der Wertung gefallen ist. Das gestiegene Gesundheitsbewusstsein kommt unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass die Fitnessapp „Keep“ – bereits vor Corona erfolgreich –weitere Beliebtheitsrekorde gebrochen hat. Produkte wie Autos mit besonders guten Luftfiltern und antibakteriellen Oberflächen sind wohl der aktuellen Pandemie geschuldet. 

Auf der anderen Seite entdecken gerade junge Chinesinnen und Chinesen gerade den Wert der Natur neu, es gibt viele Aktivitäten in den unzähligen schönen Gegenden rund um Chinas große Millionenstädte.

Wie viel der aktuellen Werteveränderungen kurzfristiger Natur sind und was langfristige Auswirkungen sein werden, wird die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall gab der Vortrag wertvolle Einblicke in die Denkmuster einer Käuferschaft, die gänzlich anders funktioniert als die europäische, die aber mit ihrer schieren Größe in vielen Bereichen zu den wichtigsten weltweit gehört.

„Wissenschaftliche Kooperationen – Deutschland und China“ – Prof. Markus Gerhard, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie der TU München

Anschließend stellte unser Vorstandsmitglied Prof. Gerhard eine Forschungskooperation vor, die bereits seit Jahrzehnten neue Erkenntnisse zu bestimmten Darmkrebssorten generiert. Solch langfristige Projekte sind nur mit großer Ausdauer trotz ungewissen Ausgangs zu stemmen und benötigen die Unterstützung aller beteiligten Parteien.

Anfangs waren einige kulturelle und ideologische Hürden zu überwinden. Selbst wenn sich die Forscher über die Forschung einig sind, gehören zu solch großen Projekten immer auch Überlegungen zur Gestaltung der Zusammenarbeit, zur Finanzierung, zur Organisation, und diversen anderen Themen. Aber mit dem Willen beider Seiten, die Chance für etwas Großes zu nutzen, wurden nach mehreren Jahren erste offizielle Verträge geschlossen, und auch die Regierungen in Deutschland und China unterstützten die Aktivitäten. Inzwischen gehört das deutsch-chinesische Forschungscluster zu den weltweit führenden Referenzinstitutionen auf dem Gebiet und zusätzlich zur reinen Forschung und Gastaufenthalten, werden inzwischen auch Schulungen im Rahmen des Projektes abgehalten. Das an der Peking Universität angesiedelte Forschungslabor PYLOTUM (https://www.pylotum.med.tum.de/en) wurde sogar jüngst als eines der „Key Research Laboratories“ gekürt, denen spezielle Achtung und Förderung zuteilwird.

 

Die beiden Vorträge zeigten aus ganz unterschiedlicher Perspektive, wie sehr sich die Vorstellungen der chinesischen Gesellschaft als Ganzes, aber auch in Bezug auf Forschung im Speziellen, von der deutschen unterscheidet. Wir hoffen, dass die circa 50 Onlineteilnehmer interessante Erkenntnisse gewonnen haben und freuen uns bereits auf den nächsten Vortrag am 26.01.2021.

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